Schlagwort: Armut

  • rbb24 Inforadio exklusiv: Ramelow zur Rentendebatte: Zentrales Thema in Ostdeutschland ist Altersarmut

    rbb24 Inforadio exklusiv: Ramelow zur Rentendebatte: Zentrales Thema in Ostdeutschland ist Altersarmut

    Berlin (ots) –

    Aus Sicht von Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Die Linke) wird die aktuelle Diskussion über die sogenannte „Rente mit 63“ der Situation in Ostdeutschland nicht gerecht.

    Ramelow sagte am Dienstag im rbb24 Inforadio, er würde weniger über das Thema 63 Jahre und 45 Beitragsjahre debattieren: „Das ist nicht das zentrale Thema. Das zentrale Thema ist Altersarmut. Die Armut ist es, die den Menschen Angst macht. Wenn ich mir die Wahlumfragen im Moment anschaue, dann triggert diese Angst vor der Zukunft den größten Teil unserer Gesellschaft.“ Dagegen habe die Rentenkommission keinen Beitrag geleistet.

    „Wenn ich das Konzept als Linker zu beurteilen hätte, dann würde ich das beurteilen unter dem Aspekt ‚Schafft es Sicherheit vor Altersarmut?‘. Und da hat die Kommission leider nicht die Ziele erreicht“, sagte Ramelow.

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  • rbb24 Recherche: Altersarmut in Berlin: Mehr ältere Menschen auf Grundsicherung und Wohngeld angewiesen

    rbb24 Recherche: Altersarmut in Berlin: Mehr ältere Menschen auf Grundsicherung und Wohngeld angewiesen

    Berlin (ots) –

    In Berlin ist die Zahl der älteren Menschen, die Grundsicherung erhalten, innerhalb von neun Jahren um ca. 50 % gestiegen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die rbb24 Recherche vorliegt.

    In der Hauptstadt waren demnach Ende des vergangenen Jahres mehr als 60.000 Menschen (2016: ca. 41.000), die die Regelaltersgrenze erreicht haben, auf Grundsicherung angewiesen. Was den Anteil der Grundsicherungsempfänger an allen Menschen oberhalb der Regelaltersgrenze angeht (2024: 8,8 %), liegt Berlin klar über dem Bundesdurchschnitt (2024: 4,1 %).

    rbb24 Recherche hat das umfangreiche Datenmaterial, das der Antwort auf die Anfrage zugrunde liegt, ausgewertet. Die Zahl der Wohngeldempfänger im Alter hat sich demnach von 2015 bis 2024 fast vervierfacht, auf mittlerweile gut 33.000 Berlinerinnen und Berliner. Dieser Wert deutet darauf hin, dass die steigende Wohnkostenbelastung für ältere Hauptstadtbewohner zu einem wesentlichen finanziellen Risiko wird. Deutschlandweit ist die Zahl der Wohngeldempfänger im Alter von 194.587 auf 709.345 in einer ähnlichen Größenordnung gestiegen. Allerdings hatte die Bundesregierung den Kreis der Berechtigten 2023 mit einer Wohngeldreform deutlich erweitert.

    Aus den Daten geht auch hervor, dass viele Menschen, die eine lange Erwerbsbiografie von 40 Jahren und mehr haben, trotzdem geringe Renten unter einem Schwellenwert von 1446 Euro erhalten. Diese Summe gilt als Indikator für Altersarmut. Berlin hat diesbezüglich im deutschlandweiten Vergleich eine besonders hohe Quote. Das betrifft gut 30 % der Männer und fast 50 % der Frauen in der Hauptstadt. Frauen sind in Berlin und bundesweit insgesamt deutlich stärker von Armutsfaktoren betroffen als Männer, auch wenn sie in den östlichen Bundesländern fast genauso viel Rente beziehen wie Männer.

    Nach Auffassung der Linkspartei, die die Daten abgefragt hatte, verschärfen die beabsichtigten Maßnahmen der Bundesregierung zur Renten- und Wohngeldreform das Armutsrisiko für ältere Menschen „massiv“. Nach Ansicht des Linken-Abgeordneten Pascal Meiser, der die Anfrage gestellt hatte, „droht über die Hauptstadt in der Zukunft eine noch viel größere Welle der Altersarmut hereinzubrechen.“ „Wer eine solche Politik betreibt, sollte dann aber auch keine Krokodilstränen vergießen, wenn in Zukunft noch mehr Menschen im Alter ihr karges Einkommen als Flaschensammler aufbessern.“

    Gleichzeitig bedeutet die zunehmende Altersarmut auch eine zunehmende Belastung für die öffentlichen Haushalte. Auf Anfrage von rbb24 Recherche gibt die Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales an, dass sich die Ausgaben für Grundsicherung im Alter in Berlin in den fünf Jahren von 2020 bis 2025 von gut 287 Millionen auf mehr als 521 Millionen Euro erhöht haben. Für die Zahlungen von Wohngeld, das deutschlandweit zu gut 50 % an Rentnerhaushalte ausgezahlt wird, will die Bundesregierung die Mittel von aktuell fünf auf drei Milliarden Euro reduzieren. Begründung: die prekäre Haushaltslage gebe die bisherige Größenordnung nicht mehr her.

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